Hintergrund

Im Rahmen der Ankunft von 1,1 Millionen Geflüchteten in Deutschland wurden die Einrichtungen der Länder und Kommunen zur Unterbringung von Asylsuchenden ausgebaut und vielerorts dezentralisiert.  Auch wenn dieser Trend aktuell rückläufig ist, werden angesichts der weltweit steigenden Zahlen geflüchteter, schutzsuchender Menschen die Aufnahmeeinrichtungen und Gemeinschaftsunterkünfte sowie die dort stattfindende medizinische Versorgung weiterhin eine wichtige Rolle spielen.

Um eine adäquate, bedarfsgerechte medizinische Versorgung sowie frühzeitige präventive Maßnahmen zu ermöglichen, sind verlässliche Daten und ein sicheres Bild des Gesundheitszustands von Asylsuchenden notwendig. Besonders, da die gesundheitlichen Bedarfe und Risiken schutzsuchender Menschen sich in Abhängigkeit der jeweiligen Herkunftsländer, der Art vorherrschender Krisen sowie den Transitrouten dynamisch verändern können, ist hier eine aktive, zeitnahe und integrierte Surveillance der Gesundheit und der medizinischen Versorgung von Asylsuchenden notwendig.

Gewährleistet werden kann dies zum Beispiel durch regelmäßige und zügige Auswertung von standardisiert erhobenen klinischen Routinedaten aus der medizinischen Versorgung in den Einrichtungen. Allerdings variiert die Organisation medizinischer Versorgung stark zwischen den einzelnen Einrichtungen und insbesondere für die Dokumentation und Weitergabe der medizinischen Behandlungsdaten gibt es keine einrichtungsübergreifenden Standards. Daher werden Behandlungsdaten aktuell oft unsystematisch und vielerorts lediglich papierbasiert dokumentiert. Diese können auch nur bedingt an nachfolgende medizinische Versorger weitergegeben werden und stehen für eine aktive Surveillance nicht zur Verfügung. Gleichzeitig fehlen konsentierte, bundesweite Indikatoren zur Gesundheit und der medizinischen Versorgung von Asylsuchenden, die für eine Surveillance erhoben werden sollten.